Fotografie: Helge Kramberger

 

Die Fotografie war von Kind an meine große Leidenschaft!
Aber bevor die Fotografie zu Berufung und Beruf wurde, gab es noch einiges zu erledigen.
Die wichtigsten Punkte: Abitur in Freiburg, Studium Freie Bildende Kunst an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Nach dem Vordiplom Wechsel an den FB Gestaltung der Fachhochschule Darmstadt, 2005 Diplom ebendort im Studiengang Kommunikations-Design mit Schwerpunkt Fotografie. Einige Jahre Assistenz, u.a. beim Fotografen Andreas Zierhut. Einstieg in die Organisation und -Abwicklung teils international angelegter Shootings.

Ab 2010 paralleler Aufbau der eigenen Selbständigkeit als freie Fotografin mit Fotostudio in Darmstadt und den Schwerpunkten Portrait- und Architekturfotografie. Diese auf den ersten Blick etwas ungewöhnliche Kombination ist für mich genau die richtige. Auf der einen Seite bedeutet mir die Arbeit mit Menschen viel, es ist mir wichtig, eine vertrauensvolle Basis aufzubauen und gemeinsam mit meinem Gegenüber an einem gelungenen Bild zu arbeiten. Auf der anderen Seite genieße ich die eher stille Herangehensweise an die Architektur. Gebäude jeder Art und Funktion möchten zunächst einmal intellektuell erfasst und emotional verstanden werden. Was ist der Kern der baukünstlerischen Botschaft, wie steht diese im Kontext mit seiner baulichen oder natürlichen Umgebung? Ich möchte Besonderheiten und Charakteristika herausarbeiten. Am Ende soll auch hier ein Porträt entstehen, das etwas erzählt  und berührt.

2012 sind mir die Haare ausgefallen. Eine Autoimmunerkrankung. Das Geschehen musste verkraftet und gedeutet werden. Inzwischen habe ich mich an meine Glatze gewöhnt, sie ist zu meinem Markenzeichen geworden. 2017 habe ich ein Foto-Projekt über andere glatzköpfige Frauen umgesetzt und es unter dem Titel „Glatze zeigen“ zu einem interdisziplinären Ausstellungsvorhaben gemacht, mit Texten und Fotos. Es wurde im Literaturhaus Darmstadt unter der Schirmherrschaft der Darmstädter Tage der Fotografie (dtdf.de) umgesetzt, diverse Medien inklusive Fernsehanstalten berichteten über die Schau, die letztendlich sensible individuelle und soziopolitische Themen streifte wie Identität, Selbstdarstellung, Zeitgeist, Umgang mit Schönheitsidealen und geschlechtsspezifisch-ästhetischen Rollenerwartungen. 2022 wird das Haus am Dom in Frankfurt (hausamdom-frankfurt.de) die Ausstellung in erweiterter Form wiederholen.

Seit 2013 arbeite ich mit an der fotografischen Visualisierung der jährlichen „Unwort“-Wahl durch die Jury der „Sprachkritischen Aktion“. Unsere darauf aufbauende Foto-Ausstellung wird an wechselnden Orten innerhalb Darmstadts gezeigt. Jeder Fotograf stellt mit je zwei Motiven seine Sicht auf das Unwort dar. Die Ausstellungen finden mittlerweile bundesweit Beachtung (unwort-bilder.de).
Meine weiteren freien künstlerischen Fotoprojekte widmen sich nicht selten dem Spannungsfeld Architektur-Gesellschaft-Geschichte.

Rahel Welsen, im Februar 2021